In der Schwäbischen Zeitung spricht Bürgermeister Weber davon, dass Heroldstatt die (wahrscheinlich!) einzige Gemeinde im Alb-Donau-Kreis ist, die schuldenfrei ist. Sie dagegen sagen, wir haben nach wie vor mehrere Millionen Schulden. Wie geht das zusammen?
Eigentlich habe ich in meinem letzten Beitrag auf unser-heroldstatt.de vom 19.06.2026 alles dazu gesagt. Diesen finden Sie auf Instagram oder auf unser-heroldstatt.de. Der Beitrag trug den bezeichnenden Titel „Das Wunder von Heroldstatt“.
Was ich dort geschrieben habe, hat sich ca. einen Monat später ziemlich genau so bewahrheitet – auf einer Dreiviertelseite in der Schwäbischen Zeitung und im Gemeindeblatt.
Wer ein bisschen aufgepasst hat, dürfte festgestellt haben, dass der durchaus wohlwollende Artikel in der Schwäbischen Zeitung (vom 02.07.) und der im Gemeindeblatt (Nr. 28 vom 09.07.) identisch waren. Sprich: der gleiche Artikel.
Das Fazit meines Beitrags (vom 19.06.) war, dass das Geld lediglich die Taschen gewechselt hat, nämlich von der sowieso hochverschuldeten HGE (deren alleiniger Geschäftsführer BM Weber ist) auf das Konto der etwas weniger verschuldeten Gemeinde.
Doch von langer Dauer ist die schwarze Null auf dem Konto der Gemeinde keineswegs, da sich die Sanierung der Berghalle (rund 4,5 Millionen Euro) bestimmt nicht von selbst abbezahlt.
Wenn vehement behauptet wird, die HGE sei problemlos und ohne Risiko durch ihren Immobilienbesitz abgesichert, würde ich Ihnen hierzu gerne folgende Gegenfrage stellen:
Gehen wir mal davon aus, dass die Gemeinde für die inzwischen als Schotterparkplätze genutzten Grundstücke und das ehemalige Raiffeisen-Gebäude im Ennabeurer Ortskern ca. 1,1 Millionen Euro bezahlt hat. Wer bitte sollte uns diese Gebäude oder Flächen (idealerweise mit Gewinn) jemals wieder abkaufen? Und zu welchem Zweck?
Um dort selbst Wohnraum zu schaffen (wie einst am Infostand auf dem Dorfhock propagiert, Stichwort: „Hülbenquartier“) fehlt uns inzwischen schlichtweg das Kapital. Dasselbe gilt auch für das Areal in der Münsinger Straße 24. Dies sind u. a. die „risikoarmen Vermögenswerte“, von denen im Artikel der Schwäbischen Zeitung zu lesen ist, Vermögenswerte, die kaum nennenswertes Kapital generieren und im Ernstfall mit herbem Verlust abgestoßen werden müssten.
Dass selbst die Flüchtlingsunterkünfte in die Rechnung mitaufgenommen werden, zeugt von bitterer Unwissenheit. Denn ja, Gebäude und Grund gehören der HGE, aber wie bitte sollten diese jemals wieder in bare Münze gewandelt werden? Das wäre fast schon so, als würde die Gemeinde Heroldstatt die Berghalle oder das Kinderhaus als Sicherheiten angeben.
Ein anderes Beispiel, bezugnehmend auf die Planung des Ennabeurer Ortskerns: Erst wurden die Gewerbetreibenden aus dem ehemaligen Raiffeisen-Gebäude ins Industriegebiet verbannt, weil im Ennabeurer Ortskern plötzlich kein Gewerbe mehr erwünscht war. Neuerdings aber sucht man händeringend nach einem neuen Mieter – paradoxerweise nun doch wieder gewerblich, für 5.000 € im Monat.
Wie stellen Sie sich die zukünftige Zusammenarbeit mit dem bisherigen Gemeinderat vor?
Dass wir alle irgendwann beste Freund*innen werden, halte ich für unwahrscheinlich. Das ist aber auch gar nicht notwendig, da es am Ratstisch um die Sache geht und nicht um persönliche Befindlichkeiten. Entscheidend ist für mich, dass fair miteinander umgegangen wird und man sich mit Respekt begegnet.
Die Hälfte des Gemeinderats auszuklammern und auf Biegen und Brechen die eigene Entscheidung durchzupauken, ist für mich kein ernsthafter Sieg. Mir geht es darum, möglichst viele Ratsmitglieder zu überzeugen, diese in die Entscheidungsfindung einzubinden und gegebenenfalls einen Kompromiss auszuarbeiten, mit dem am Ende alle leben können. Sprich: Manchmal bekommt man seinen Willen, und manchmal eben nicht.
Gemeinderatsbeschlüsse über Jahre hinweg mit haarscharfen Mehrheiten zu „gewinnen“ ist vielleicht der bequemere Weg, führt aber unweigerlich zu derart verfahrenen Situationen, wie wir sie jetzt in Heroldstatt haben.
Kurzum: Von meiner Seite gibt es keine unüberwindbaren Hindernisse für eine gute und effektive Zusammenarbeit im Sinne unserer Gemeinde.
Wie wichtig ist der Sitz im Kreistag für einen Bürgermeister?
Einige Mitglieder im Kreistag sind mir über Parteigrenzen hinweg persönlich bekannt. Ich bin auf dem Laufenden, was sich dort tut. Grundsätzlich wäre ein Sitz im Kreistag für einen Bürgermeister nicht verkehrt, ist meiner Meinung nach aber nicht zwingend erforderlich. Letztlich muss ein Bürgermeister gut mit Menschen umgehen können, um die Interessen seiner Gemeinde zu platzieren. Dies gilt sowohl im Kontakt mit Bürgerinnen und Bürgern als auch mit den Mitgliedern des Kreistags.
Wenn Sie Bürgermeister werden, ist dann in Heroldstatt der große Sparkurs angesagt?
Wenn es um millionenschwere Prestigeprojekte geht, die wir uns als Gemeinde eigentlich nie leisten konnten, dann lautet die Antwort ganz klar „Ja“.
Das heißt allerdings nicht, dass wir als Gemeinde gar kein Geld mehr ausgeben werden. Mir geht es unterm Strich darum, den Fokus auf die wesentlichen Dinge zu legen und unser bzw. das Geld der Gemeinde dort einzusetzen, wo es den größten Nutzen für die Bürgerinnen und Bürger bringt.
Sicherlich ist eine frisch sanierte Ortsmitte mit (Trink-)Wasserspielen nicht zwingend etwas Negatives; das liegt im Auge des Betrachters.
Fehlt das dafür eingesetzte Geld aber an anderer Stelle z. B. an Straßen, Kanälen oder bezahlbaren Betreuungs- und Kindergartengebühren (um nur einige Beispiele zu nennen), dann ist das eben schlecht.
Man sagt, sie seien per Du mit dem Innenminister (Manuel Hagel). Steht Heroldstatt im Falle Ihrer Wahl unter CDU-Regentschaft?
Ich kenne und schätze Herrn Hagel schon seit mehreren Jahren, lange bevor er für das Amt des Ministerpräsidenten kandidierte. Deshalb: Ja, wir sind beim freundschaftlichen Du. Ich kann Ihnen allerdings versichern, dass meine CDU-Parteimitgliedschaft in Heroldstatt keine Rolle spielen wird. Auch in meinen über sechseinhalb Jahren als Gemeinderat habe ich nie die CDU um Erlaubnis gefragt oder fragen müssen, wenn ich eine Entscheidung zu treffen hatte. Für mich kommen die Interessen von Heroldstatt an erster, zweiter und dritter Stelle.
Sie waren mal als Kämmerer in Westerheim angestellt. Ich habe gehört, man hat Sie damals entlassen?
Ich habe 2020 auf Bitten von Bürgermeister Walz in Westerheim als Kämmerer angefangen. Zwei Wochen nachdem ich die Stelle angetreten hatte, wurde Bürgermeister Walz für mehrere Monate krank.
In dieser Konstellation, habe ich sehr eng und vertrauensvoll mit der stellvertretenden Bürgermeisterin sowie den Fraktionsführern im Gemeinderat zusammengearbeitet. Nach der Rückkehr von Bürgermeister Walz aus dem Krankenstand Anfang 2021 hatten wir eine Reihe beruflicher Meinungsverschiedenheiten, die ich aber aus Verbundenheit mit meinen damaligen Kolleg:innen wicht weiter kommentieren werde. Deshalb haben wir die Zusammenarbeit im gegenseitigen Einvernehmen im Frühjahr 2021 beendet.
Nach meinem Weggang hat die Gemeinde Westerheim ihre Finanzverwaltung an den Gemeindeverwaltungsverband Laichinger Alb ausgelagert.Um die kursierende Falschformation auszuräumen, habe ich mein Arbeitszeugnis angehängt, welches ich von der Gemeinde Westerheim erhalten habe.
Ich hoffe, ich konnte damit etwas Licht ins Dunkel bringen.


Hat uns die Ortsmitte Sontheim wirklich nur 400.000€ gekostet?
Die Pressemitteilung der Gemeindeverwaltung zur Ortsmitte Sontheim beinhaltet wie so oft einige Fallstricke, über die jemand, der sich mit den Geschehnissen der Gemeinde nur sporadisch auseinandersetzt, zwangsläufig stolpert.
Vorab: Dass sich die Gesamtkosten auf „rund“ 2 Millionen Euro belaufen, ist richtig. Dass diese Summe eher ab- als aufgerundet wurde, versteht sich von selbst.
Wie so oft wurde auch hier mit einer wohlüberlegten Wortwahl ein bisschen nachgeholfen. (Ähnlicher Fall: Wer erinnert sich noch an das verlockend gestaltete Balkendiagramm bzgl. der Finanzierung in der Broschüre zum Bürgerbegehren von 2025? Siehe Beitrag: „Bürgerfrage zum Bürgerbegehren“)
In der aktuellen Pressemitteilung zur Ortsmitte steht nun also geschrieben, der „Eigenanteil“ belaufe sich auf überschaubare 400.000 Euro. Mit der Formulierung „erhielt die Gemeinde Fördermittel in Höhe von insgesamt 1,6 Millionen Euro, darunter auch Mittel aus dem Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität des Bundes“ wird vom Rathaus der Anschein von zwei verschiedenen Beträgen erweckt.
Den Betrag, den „wir“ zu zahlen haben, und den Betrag, welcher als Förderung von anderer Stelle dazukommt.
Dem ist aber nicht so. Denn – und dieser eine Halbsatz ist spielentscheidend – die „Mittel aus dem Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität des Bundes“ hätten wir auch ohne das Projekt „Ortsmitte Sontheim“ erhalten.
Wie hoch ist nun also der wirkliche Eigenanteil?
Das ist nach einem kurzen Blick in die alten Unterlagen relativ leicht zu berechnen. Die ursprünglich eingeplanten Fördermittel vom Land lagen bei 850.000 Euro.
Ziehen wir diese von den 1,6 Millionen Euro der Gesamt-Fördermittel ab, dann bleiben noch 750.000 Euro übrig, die aus dem Sondervermögen allein für die Ortsmitte Sontheim ausgegeben wurden.
Diese 750.000 Euro sind genauso „unser“ Geld, welches der Gemeinde zur Verfügung stehen würde… wenn man es nicht bereits für die Ortsmitte Sontheim ausgegeben hätte.
Die „Mittel aus dem Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität des Bundes“ waren eine einmalige Sonderzahlung, welche vom Bund ausdrücklich dafür vorgesehen war, den allerorts klammen Gemeinden in den folgenden 12 Jahren (!) finanziell unter die Arme zu greifen. Wie zum Beispiel bei Straßen und Pflegeeinrichtungen, Energie- und Bildungsinfrastruktur sowie bei Maßnahmen zur Digitalisierung.
Fazit: Die Ortsmitte hat „uns“ keine 400.000 Euro gekostet, sondern auch einen ordentlichen Batzen unserer „Mittel aus dem Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität des Bundes“ in Höhe von zusätzlichen 750.000 Euro.
Damit wären wir wieder bei unserem ursprünglichen – und tatsächlichen – Eigenanteil an den Gesamtkosten der Sontheimer Ortsmitte in Höhe von knapp 1,15 Millionen Euro.
Wo andere Gemeinden auf die bewilligten „Mittel aus dem Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität des Bundes“ zugreifen können, um in den kommenden 12 Jahren ihre Pflichtaufgaben zu finanzieren, hat man in Heroldstatt wieder einmal gleich und sofort einen großen Teil davon ausgegeben.